Joachim Gauck

"Toleranz: Einfach schwer"

Datum: Sonntag, 14. November 2021
Uhrzeit: 18:00 Uhr
Ort: Kulturhaus Torgau
Format: Lesung/Vortrag

Interview mit Joachim Gauck zum Buch „Toleranz“

Toleranz: Einfach schwer

Die Lebensentwürfe, Wertvorstellungen, religiösen und kulturellen Hintergründe der Menschen werden immer vielfältiger – für manche eine Bereicherung, für nicht wenige eine Last. Wie viel Andersartigkeit muss man erdulden und wie viel Kritik aushalten? Welche gemeinsamen Regeln müssen bei aller Verschiedenheit gelten? In seinem neuen Buch streitet Joachim Gauck für eine kämpferische Toleranz: „Ich war und bin bis heute der Meinung, dass es kein Laisser-faire geben darf gegenüber jenen, die Pluralität und Toleranz mit Füßen treten. Toleranz, die Nachsicht und Duldsamkeit preist gegenüber den Verächtern der Toleranz, hilft den Tätern und nicht den Opfern. Intoleranz gegenüber einer Intoleranz, die Menschen unterdrückt und verachtet, ist eine Haltung von Demokraten im Namen der Menschenwürde.“ Toleranz ist also nicht Gleichgültigkeit, sondern ermöglicht ein friedliches Zusammenleben in unserer pluralistischen Gesellschaft. Sie lehrt uns, zu dulden, auszuhalten, zu respektieren, was wir nicht oder nicht vollständig gutheißen. Dazu müsse man sich seiner eigenen Identität aber sicher sein. Denn nur, wer weiß, wer er ist, geht selbstbewusst in einen Dialog oder auch Wettstreit mit anderen. Ein Aufruf an uns alle, die Toleranz zu wahren, zu schützen und aufzubauen – damit unsere Demokratie eine Zukunft hat!

Joachim Gauck, geb. 1940, studierte Theologie und arbeitete viele Jahre als Pastor in Mecklenburg; 1989 Mitinitiator des kirchlichen und öffentlichen Widerstands gegen die SED-Diktatur; ab März 1990 Abgeordneter für das Bündnis 90 in der zum ersten Mal frei gewählten Volkskammer; von 1990 bis 2000 Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR; 2012 bis 2017 elfter Präsident der Bundesrepublik Deutschland; zahlreiche Ehrungen, u.a.: GeschwisterScholl-Preis, Europäischer Menschenrechtspreis, Ludwig-Börne-Preis; Ehrendoktor der Universitäten Rostock, Jena, Augsburg, Münster, Kiel, der National University of Ireland/Galway, der Hebrew University of Jerusalem, der Université Paris-Sorbonne sowie der Maastricht University.

Helga Hirsch, Dr. phil., geb. 1948, studierte Germanistik und Politik, 1989 bis 1995 Korrespondentin der »ZEIT« in Warschau. In ihren Büchern widmete sie sich den Konflikten zwischen ethnischen Minderheiten in Polen und den Biografien von Menschen, die sich nicht durch Herkunft, sondern freie Wahl definieren. In Zusammenarbeit mit Joachim Gauck entstand dessen Autobiografie »Winter im Sommer, Frühling im Herbst«.

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